Wichtige Begriffe rund um die Invalidenversicherung

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1. Säule

In der Schweiz besteht ein engmaschiges Netz von Sozialversicherungen, das der Bevölkerung Schutz bietet. Das Schweizerische Sozialversicherungssystem basiert auf drei Säulen: der staatlichen Vorsorge, der beruflichen Vorsorge und der Selbstvorsorge. Die Invalidenversicherung (IV) und die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) bilden zusammen mit den Ergänzungsleistungen die erste Säule und somit die staatliche Invaliditäts-, Alters- und Hinterlassenenvorsorge.

1. und 2. Arbeitsmarkt

Als 1. Arbeitsmarkt wird der reguläre Arbeitsmarkt bezeichnet. Auf diesem Arbeitsmarkt bestehen die Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse der freien Wirtschaft. Im Gegensatz dazu versteht man unter dem 2. Arbeitsmarkt jenen, der geschützte Arbeitsplätze bietet.

Akteneinsicht

Ihr Patient hat das Recht, bei der IV-Stelle Einsicht in seine Akten zu erhalten. Er kann bei der IV-Stelle seine Akten verlangen, die ihm zur Verfügung gestellt werden müssen. Sie als behandelnder Arzt haben kein solches Recht. Sie können sich die IV-Akten Ihres Patienten von diesem aushändigen lassen, falls er damit einverstanden ist. Oder Sie können sich vom Patienten eine Vollmacht ausstellen lassen, damit Sie die Akten in seiner Vertretung bei der IV-Stelle verlangen können.

Enthalten die Akten Gesundheitsdaten, deren Bekanntgabe sich für Ihren Patienten gesundheitlich nachteilig auswirken könnte, so kann die IV-Stelle vom Patienten verlangen, dass dieser einen Arzt bezeichnet, der ihm diese Gesundheitsdaten bekannt gibt.

Anmeldung / IV-Anmeldung

Zum Bezug von Leistungen der IV müssen versicherte Personen bei der IV-Stelle ihres Wohnsitzkantons eine Anmeldung einreichen. Für im Ausland wohnhafte Versicherte ist die IV-Stelle für Versicherte im Ausland zuständig.

Im Gegensatz zur Meldung zur Früherfassung kann die IV-Anmeldung nur durch die versicherte Person selbst (oder deren gesetzlichen Vertreter) erfolgen. Die versicherte Person muss die Anmeldung zum Bezug von Leistungen eigenhändig unterzeichnen.

Arbeitsunfähigkeit / Arbeitsfähigkeit

Eine Arbeitsunfähigkeit liegt dann vor, wenn ein Patient aufgrund gesundheitlicher Probleme seine aktuelle bzw. zuletzt ausgeübte Arbeitstätigkeit nicht mehr oder nur noch teilweise erfüllen kann.

Die noch bestehende Arbeitsfähigkeit (allenfalls in einer anderen beruflichen Tätigkeit; sogenannte Verweistätigkeit) sollte nicht in Form einer Prozentangabe erfolgen. Vielmehr ist es wichtig, Rahmenbedingungen zu definieren (z.B. maximale Gewichtsbelastung, Vermeiden von Nachtarbeit, nicht stehen / sitzen, vermehrter Pausenbedarf etc.).

Ein Beispiel zur Erklärung:
Ein Maurer kann wegen Rückenproblemen seine bisherige Arbeit gar nicht mehr ausüben. Somit ist er zu 100 % arbeitsunfähig als Maurer. Es ist aus medizinischer Sicht aber möglich, dass er in einer anderen, körperlich weniger belastenden, beruflichen Tätigkeit voll arbeitsfähig ist. In diesem Fall liegt auch keine Erwerbsunfähigkeit vor. Denn mit einer seinem Gesundheitszustand entsprechenden Tätigkeit kann er weiterhin vollständig für sein Erwerbseinkommen sorgen. Bleibt jemand hingegen in jeglicher für ihn zumutbaren Tätigkeit nur teilweise arbeitsfähig, so ergibt sich daraus eine Teil-Erwerbsunfähigkeit.

Arbeitsvermittlung

Die IV-Stelle verfügt über ein dichtes Beziehungsnetz zu regionalen Arbeitgebenden und kann versicherte Personen kompetent bei der Stellensuche unterstützen. Bei Bedarf wird die versicherte Person nach erfolgreicher Vermittlung bei der Einführung am Arbeitsplatz durch eine Fachperson der IV-Stelle begleitet.

Arbeitsversuch

Mit einem Arbeitsversuch können sich gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen, in einem Unternehmen im 1., freien Arbeitsmarkt über eine Dauer von bis zu sechs Monaten erproben. Finanziell sind sie dabei durch ein Taggeld oder eine Rente der Invalidenversicherung abgesichert. Der Arbeitgeber kann somit seinerseits einen potenziellen künftigen Angestellten in der Praxis testen. Dabei geht er kein Risiko ein, da vorerst kein Arbeitsvertrag abgeschlossen wird und kein Lohn zu entrichten ist.

Die Eingliederungschancen der Person, die einen Arbeitsversuch absolviert, können sich durch dieses gegenseitige Kennenlernen deutlich erhöhen.

Arztbericht

Ein Arztbericht richtet sich an die IV-Stelle und enthält detaillierte Informationen zum Gesundheitszustand Ihres Patienten, den gestellten Diagnosen und den Behandlungsoptionen. Zudem enthält er eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen. Für den Arztbericht gibt es verschiedene Formulare, welche die Fragestellungen vorgeben.

Arztzeugnis

Mit einem Arztzeugnis attestieren Ärzte dem Arbeitgeber des Patienten Umfang und Dauer seiner Arbeitsunfähigkeit. Für Arbeitgeber ist es wichtig, dass der Arzt ein Arztzeugnis befristet ausstellt. Der Arzt muss im Arztzeugnis also angeben, zu wieviel Prozent der Patient arbeitsunfähig ist und bis wann dieses Attest gilt.

Assistenzbeitrag

Der Assistenzbeitrag richtet sich an Bezüger einer Hilflosenentschädigung und hat zum Ziel, die Selbstbestimmung und Eigenverantwortung dieser Personen zu fördern. Bezüger einer Hilflosenentschädigung sind bei der alltäglichen Verrichtungen (an- und auskleiden, aufstehen, absitzen, essen etc.) dauernd auf die Hilfe Dritter angewiesen. Möchten solche Personen dennoch zu Hause leben, können sie unter bestimmten Voraussetzungen einen Assistenzbeitrag beziehen. Dieser ermöglicht es, eine Person einzustellen, die die erforderlichen Hilfeleistungen erbringt.

Merkblatt 4.14 - Assistenzbeitrag der IV

Ausgleichskassen

Die Ausgleichskassen sind Teil des Schweizer Sozialversicherungssystems. Sie sichern als öffentliche Organisationen der gesamten Schweizer Bevölkerung den Zugang zu den Grundleistungen der sozialen Sicherheit. Es wird unterschieden zwischen kantonalen Ausgleichskassen, Verbandsausgleichskassen und Ausgleichskassen des Bundes.

Die Ausgleichskassen haben im IV-Bereich insbesondere folgende Aufgaben:

  • die Mitwirkung bei der Abklärung der versicherungsmässigen Voraussetzungen;
  • die Berechnung der Renten, Taggelder, Einarbeitungszuschüsse und Entschädigungen für Betreuungskosten;
  • die Auszahlung der Renten, Taggelder, Einarbeitungszuschüsse, Entschädigungen für Betreuungskosten sowie, für Volljährige, die Auszahlung der Hilflosenentschädigungen.
Berufliche Massnahmen

Die IV handelt nach dem Grundsatz «Eingliederung vor Rente» und prüft deshalb bei jeder IV-Anmeldung unaufgefordert, ob berufliche Eingliederungsmassnahmen möglich und sinnvoll sind. Berufliche Massnahmen sollen die Erwerbsfähigkeit eines Patienten wieder herstellen, erhalten oder verbessern.

Berufliche Massnahmen können sein:

  • Berufsberatung
  • Umschulung
  • erstmalige berufliche Ausbildung
  • Arbeitsvermittlung
  • Arbeitsversuch
  • Einarbeitungszuschuss
  • Entschädigung für Beitragserhöhungen
  • Kapitalhilfe

All diese Begriffe sind separat im Glossar aufgeführt und erläutert.

Merkblatt 4.09 - Berufliche Eingliederungsmassnahmen der IV

Berufsberatung der IV-Stellen

Bei Jugendlichen mit Behinderungen gegen Ende der Schulzeit und bei Erwachsenen, die sich aus gesundheitlichen Gründen beruflich neu orientieren müssen, bietet die IV Berufsberatung an.

Berufsgeheimnis

Die Schweigepflicht dient dem unmittelbaren Schutz des persönlichen Lebens und der Privatsphäre einer Person. Bestimmte Berufsgruppen – z.B. Ärztinnen und Ärzte - unterliegen der Schweigepflicht.

Die Sozialversicherungsgesetze des Bundes (KVG, UVG, MVG, IVG) enthalten eine Entbindung vom Patientengeheimnis gegenüber den Versicherungen. Allerdings ist diese immer auf jene Informationen begrenzt, welche die Sozialversicherungen benötigen, um ihre Aufgaben zu erfüllen.

Ab 30 Tagen Arbeitsunfähigkeit gibt es die Möglichkeit der sogenannten Früherkennung und von Frühinterventionsmassnahmen der IV. Damit soll der Arbeitsplatzverlust verhindert werden. Zur Abklärung einer Frühintervention können sich die Versicherten selbst melden; die Meldung kann aber auch durch Dritte, etwa den Arzt, die Arbeitgeberin oder den Taggeldversicherer erfolgen – auch gegen den Willen der Versicherten.

Die Versicherten müssen schon im Hinblick auf die Frühinterventionsmassnahmen die Ärzte nicht nur ermächtigen, Auskünfte zu erteilen, sondern auch alle Unterlagen zur Verfügung zu stellen, die für die Abklärung im Rahmen der Früherfassung erforderlich sind. Diese Ermächtigung erteilen sie mit der formellen Anmeldung bei der IV.

Mehr Details: "Der Arzt zwischen Auskunftspflicht und Schweigepflicht gegenüber der IV-Stelle im Anmeldeverfahren"

Beschäftigungsmassnahmen

Beschäftigungsmassnahmen bilden einen Teil der Integrationsmassnahmen. Sie dienen dem Erhalt der Tagesstruktur und der Restarbeitsfähigkeit zur Vorbereitung von beruflichen Massnahmen oder dem Antritt einer neuen Stelle.

Beschwerde

Erhebt Ihr Patient gegen den Vorbescheid der IV keine Einwände und gehen innerhalb der gesetzten Frist auch keine Stellungnahmen von den übrigen Parteien ein, erlässt die IV-Stelle die Verfügung.

Bringen Ihr Patient oder die übrigen Parteien Einwände vor, ist die IV-Stelle gehalten, in der Verfügung zu diesen Stellung zu nehmen und diese zu berücksichtigen. Ihr Patient und die beteiligten Parteien, die mit der Verfügung nicht einverstanden sind, können innerhalb von 30 Tagen beim kantonalen Versicherungsgericht des Wohnsitzkantons schriftlich Beschwerde erheben.

Datenschutz

Das Datenschutzgesetz des Bundes (DSG) schützt die Persönlichkeit und regelt die Rechte von Personen, deren Daten bearbeitet werden. Es gilt für alle Privaten – also auch für die Arztpraxen und Privatspitäler –, für die Bundesverwaltung, aber auch für die ausgelagerte Bundesverwaltung wie beispielsweise die Krankenkassen und die Unfallversicherer. Für Ärztinnen und Ärzte schafft das Datenschutzgesetz (DSG) faktisch keine zusätzlichen Pflichten, da sie bereits dem Berufsgeheimnis unterstehen (Schweigepflicht).

Mehr Details: "Der Arzt zwischen Auskunftspflicht und Schweigepflicht gegenüber der IV-Stelle im Anmeldeverfahren"

Einarbeitungszuschuss

Weist Ihr Patient zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses noch nicht die nach Abschluss der Anlern- oder Einarbeitungszeit zu erwartende Leistungsfähigkeit auf, so kann seinem Arbeitgeber während längstens 180 Tagen ein Einarbeitungszuschuss ausbezahlt werden. Der Zuschuss entspricht höchstens dem monatlichen Bruttolohn der versicherten Person und darf den maximalen Taggeldansatz nicht übersteigen. Die Arbeitgeberbeiträge an Sozialversicherungen sind darin enthalten.

Eingliederung vor Rente

"Eingliederung vor Rente" ist der Leitsatz der 5. und 6. IV-Revision. Damit ist gemeint, dass zuerst alles daran gesetzt wird, Personen soweit als möglich im Arbeitsmarkt zu halten, bzw. sie wiederum in diesen zu integrieren (berufliche Massnahmen). Erst nach Ausschöpfung aller Eingliederungsmöglichkeiten wird ein Rentenanspruch geprüft.

Eingliederungsmassnahmen

Zu den Eingliederungsmassnahmen der IV zählen:

  • Massnahmen der Frühintervention, die darauf abzielen, dass jemand trotz gesundheitlicher Schwierigkeiten möglichst weitgehend arbeitsfähig bleibt, einen bestehenden Arbeitsplatz nicht verliert bzw. an einem neuen Arbeitsplatz erwerbstätig sein kann.
  • Integrationsmassnahmen, die der Vorbereitung auf die Durchführung von beruflichen Massnahmen dienen, damit jemand diese erfolgversprechend absolvieren kann.
  • Berufliche Massnahmen, die der beruflichen Integration dienen.
  • Medizinische Massnahmen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr, die der Behandlung von Geburtsgebrechen und der Verbesserung der Erwerbsfähigkeit dienen.
  • Hilfsmittel, zu denen beispielsweise Hörgeräte, Rollstühle, orthopädische Schuhe zählen.
Einwand

Vergleiche "Vorbescheid"

Entschädigung für Beitragserhöhungen

Wenn Ihr Patient durch die IV an einen Arbeitgeber vermittelt wurde, kann diesem eine Entschädigung für Beitragserhöhungen bei der obligatorischen beruflichen Vorsorge und der Krankentaggeldversicherung ausgerichtet werden. Dies ist möglich, wenn Ihr Patient innert drei Jahren wegen der vorbestehenden Erkrankung erneut arbeitsunfähig wird und das Arbeitsverhältnis vor der erneuten Arbeitsunfähigkeit länger als drei Monate gedauert hat. Die Absenzen müssen mindestens 15 Tage pro Kalenderjahr betragen. Die Entschädigung wird ab dem 16. Tag ausbezahlt.

Erstmalige berufliche Ausbildung

Falls die versicherte Person aus gesundheitlichen Gründen noch keine erstmalige berufliche Ausbildung abgeschlossen hat, so übernimmt die Invalidenversicherung die Kosten, welche der versicherten Person aufgrund ihrer Invalidität zusätzlich entstehen.

Zur erstmaligen beruflichen Ausbildung zählen:

  • Fähigkeitszeugnis- oder Attestausbildung
  • (IV-)Anlehre
  • Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule
  • Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf eine Tätigkeit im 2. Arbeitsmarkt (geschützter Arbeitsplatz)
Erwerbsunfähigkeit

Bleibt ein Patient aufgrund der gesundheitlichen Probleme auch nach Abschluss einer medizinischen Behandlung für alle Tätigkeiten in seinen Erwerbsmöglichkeiten eingeschränkt, so spricht man von Erwerbsunfähigkeit. Ist jemand erwerbsunfähig, kann er nicht mehr (oder nur noch teilweise) für sein Erwerbseinkommen sorgen.

Das Ausmass der Erwerbsunfähigkeit wird durch die IV-Stelle bestimmt.

Ein Beispiel zur Erklärung:
Ein Maurer kann wegen Rückenproblemen seine bisherige Arbeit gar nicht mehr ausüben. Somit ist er zu 100 % arbeitsunfähig als Maurer. Es ist aus medizinischer Sicht aber möglich, dass er in einer anderen, körperlich weniger belastenden beruflichen Tätigkeit voll arbeitsfähig ist. In diesem Fall liegt auch keine Erwerbsunfähigkeit vor. Denn mit einer seinem Gesundheitszustand entsprechenden Tätigkeit kann er weiterhin vollständig für sein Erwerbseinkommen sorgen. Bleibt jemand hingegen in jeglicher für ihn zumutbaren Tätigkeit nur teilweise arbeitsfähig, so ergibt sich daraus eine Teil-Erwerbsunfähigkeit.

Früherfassung = Meldung

Die Früherfassung ist eine präventive Leistung der Invalidenversicherung.

Eine Meldung zur Früherfassung zielt darauf ab, dass möglichst frühzeitig Kontakt mit der IV aufgenommen wird, wenn jemand wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung arbeitsunfähig geworden ist. Ziel ist es, dass die IV möglichst rasch beratend tätig werden kann, um den Verlust des Arbeitsplatzes zu verhindern und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten.

Wenn jemand 30 Tage ununterbrochen arbeitsunfähig ist, ohne dass die Rückkehr an die Arbeit zeitlich konkret absehbar ist oder jemand innerhalb eines Jahrs immer weder für kürzere Zeit bei der Arbeit fehlt, ist eine Früherfassung sinnvoll.

Meldeberechtigt sind:

  • die versicherte Person sowie deren gesetzliche Vertretung
  • die im gemeinsamen Haushalt lebenden Familienangehörigen
  • der Arbeitgeber
  • die behandelnden Ärzte und Chiropraktoren
  • der beteiligte Krankenversicherer
  • der beteiligte Unfall- und Krankentaggeldversicherer
  • die Einrichtungen der beruflichen Vorsorge
  • kantonale Sozial- und Arbeitsämter
  • die Militärversicherung
  • private Versicherungseinrichtungen

Die betroffene Person muss immer vorher über die Meldung informiert werden. Der Arzt kann seinen Patienten aber ohne dessen formelle Genehmigung, auch ohne dessen Einverständnis melden.

Merkblatt 4.12 - Früherfassung und Frühintervention

Frühintervention

Massnahmen der Frühintervention zielen darauf ab, dass jemand trotz gesundheitlicher Schwierigkeiten möglichst weitgehend arbeitsfähig bleibt, einen bestehenden Arbeitsplatz nicht verliert oder an einem neuen Arbeitsplatz erwerbstätig sein kann.

Die wichtigsten Massnahmen der Frühintervention sind:

  • Arbeitsplatzanpassung
  • Ausbildungskurse
  • Arbeitsvermittlung
  • Berufsberatung
  • Beschäftigungsmassnahmen

Damit Frühinterventionsmassnahmen zugesprochen werden können, ist eine IV-Anmeldung zwingend notwendig.

Merkblatt 4.12 - Früherfassung und Frühintervention

Geburtsgebrechen

Als Geburtsgebrechen gelten Gebrechen, die bei vollendeter Geburt bestehen. Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich.

Die als Geburtsgebrechen anerkannten Leiden, für die ein Anspruch auf IV-Leistungen besteht, sind in einer Liste aufgeführt.

Bei Versicherten vor dem vollendeten 20. Altersjahr mit einem Geburtsgebrechen übernimmt die IV alle zur Behandlung des Geburtsgebrechens notwendigen medizinischen Massnahmen, und zwar ohne Rücksicht auf die künftige Erwerbsfähigkeit. Ab dem vollendeten 20. Lebensjahr ist die Krankenversicherung für die Finanzierung der medizinischen Massnahmen zuständig.

Verordnung über Geburtsgebrechen

Geschützter Arbeitsplatz

Als geschützter Arbeitsplatz wird ein Arbeitsplatz im sog. 2. Arbeitsmarkt bezeichnet, an welchem auf die individuellen Leistungseinschränkungen des Mitarbeiters Rücksicht genommen werden kann. Voraussetzung für eine Anstellung im 2. Arbeitsmarkt ist in der Regel der Bezug einer IV-(Teil-)Rente.

Gesetzlicher Vertreter

Gesetzliche Vertreter sind Personen, deren Vertretungsmacht nicht auf einer erteilten Vollmacht (z.B. gegenüber einem Anwalt), sondern auf dem Gesetz beruht. Sie können für eine Person nötige Handlungen vornehmen (z.B. Eltern für ihre minderjährigen Kinder).

Gutachten

Medizinische Gutachten sind eine Schnittstelle zwischen Medizin und Rechtsanwendung. Sie werden in unklaren und strittigen Fällen veranlasst. Unklar ist in der Regel, welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen welche Auswirkungen haben, und strittig ist, ob der versicherten Person Leistungen der IV, allenfalls in welchem Umfang, zustehen. Zur Klärung und Entscheidung solcher Konflikte soll das medizinische Gutachten der IV verwertbare Grundlagen liefern. Es spielt somit eine wichtige Rolle im ganzen Prozess von der Anmeldung für eine IV-Leistung bis zum Entscheid. Die Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie hat Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische IV-Gutachten erstellt. Für Informationen rund um medizinische Gutachten von polydisziplinären Gutachterstellen, besuchen Sie bitte die Webseite von SuisseMED@P.

Merkblatt 4.15 - Polydisziplinäre medizinische Gutachten

Hilflosenentschädigung

Als hilflos gilt eine Person, die wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Verrichtungen (ankleiden, auskleiden, aufstehen, absitzen, essen usw.) dauernd auf Hilfe Dritter angewiesen ist oder der persönlichen Überwachung bedarf. Versicherte mit einer schweren Sinnesschädigung können auch Anspruch auf Hilflosenentschädigung haben.

Merkblatt 4.13 - Hilflosenentschädigungen der IV

Hilfsmittel

Hilfsmittel sollen das Fehlen einzelner Körperteile oder deren Funktion ersetzen respektive verbessern. Sie ermöglichen es einer Person, sich so gut als möglich fortzubewegen, den Kontakt mit der Umwelt zu pflegen und sich im Alltag alleine um sich selbst zu kümmern.

Zu diesen Hilfsmitteln zählen zum Beispiel Prothesen, Hörgeräte, Rollstühle, Motorfahrzeuge und Hilfsgeräte am Arbeitsplatz.

Merkblatt 4.03 - Hilfsmittel der IV

Liste der Hilfsmittel

Hörgeräte der AHV/IV

Hörgeräte

Eine versicherte Person hat Anspruch auf einen Kostenbeitrag für die Anschaffung eines Hörgerätes, wenn sie eine Hörschwäche hat und durch dieses Hörgerät eine eindeutig bessere Verständigung mit der Umwelt erreicht werden kann. Der Beitrag wird der versicherten Person direkt ausbezahlt und zwar in Form einer Pauschale, welche die Kosten für ein Gerät in einfacher und zweckmässiger Ausführung deckt. Für Minderjährige und Härtefälle sind Sonderregelungen vorgesehen.

Ein von der IV anerkannter Facharzt oder eine von ihr anerkannte Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO-Facharzt bzw. HNO-Fachärztin) muss den Hörverlust feststellen und die Diagnose stellen. Je nach Ergebnis der ärztlichen Untersuchung wird entweder ein Kostenbeitrag für eine einseitige (monaurale) oder für eine beidseitige (binaurale) Versorgung ausgerichtet.

Merkblatt 4.08 – Hörgeräte der IV
Hörgeräte der AHV/IV
Informationen des BSV zur Vergütung der Hörgeräte

Integrationsmassnahmen

Die Integrationsmassnahmen dienen der Vorbereitung auf den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt oder zur Vorbereitung auf Massnahmen beruflicher Art. Sie sind insbesondere auf versicherte Personen mit psychisch bedingter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgerichtet. Voraussetzung ist, dass die versicherte Person seit mindestens sechs Monaten zu wenigstens 50 % arbeitsunfähig ist.

  • Belastbarkeitstraining
  • Aufbautraining
  • wirtschaftsnahe Integration mit Support am Arbeitsplatz
Invalideneinkommen

Das mit eingeschränktem Gesundheitszustand erzielbare Einkommen wird als das Invalideneinkommen bezeichnet.

Ein Beispiel zur Illustration:
Eine Person, die nach einer Krankheit oder einem Unfall auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kann trotzdem ihren früheren Beruf (administrative Tätigkeit) wieder ausüben und auch das bisherige Einkommen wieder erzielen. Sie erleidet keine Erwerbseinbusse, sie ist nicht erwerbsunfähig. Bei einer anderen Person mit dem gleichen Leiden, die zuvor Pflegefachfrau war, liegt der Fall anders. Sie kann unmöglich ihren bisherigen Beruf weiter ausüben. Hier wird berücksichtigt, welches Einkommen die Person vor dem Gesundheitsschaden erzielt hat, und welches sie im Anschluss an Eingliederungsmassnahmen (z.B. eine Umschulung zur Sozialarbeiterin) wieder erzielen kann. Aufgrund dieses Einkommensvergleichs berechnet die IV den Invaliditätsgrad. Abhängig von der Höhe des Invaliditätsgrads besteht allenfalls ein Anrecht auf eine IV-Teilrente.

Invalidenrente

Eine Invalidenrente wird nur dann ausgerichtet, wenn die Eingliederungsmassnahmen nicht oder nicht im erwünschten Ausmass erfolgreich waren. Die Höhe der IV-Rente wird durch den Invaliditätsgrad bestimmt:

  • Invaliditätsgrad mindestens 40 %: Viertelsrente
  • Invaliditätsgrad mindestens 50 %: halbe Rente
  • Invaliditätsgrad mindestens 60 %: Dreiviertelsrente
  • Invaliditätsgrad mindestens 70 %: ganze Rente.

Bei einem Invaliditätsgrad unter 40 % besteht kein Anspruch auf eine IV-Rente. Ein Rentenanspruch entsteht frühestens, wenn die versichere Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig war.

Merkblatt 4.04 - Invalidenrente der IV

Invalidenversicherung (IV)

Die Invalidenversicherung (IV) ist eine gesamtschweizerische, obligatorische Sozialversicherung. Sie hat zum Ziel, Versicherten, die invalid werden, die Existenzgrundlage zu sichern. Oberstes Ziel der Invalidenversicherung ist es, dafür zu sorgen, dass Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen soweit als möglich mit eigener Erwerbsfähigkeit ein Einkommen erzielen können. Erst nach Ausschöpfung aller Eingliederungsmöglichkeiten wird ein Rentenanspruch geprüft.

Invaliditätsgrad

Der Invaliditätsgrad ist ein wirtschaftlicher und kein medizinischer Begriff. Der Invaliditätsgrad vergleicht das Einkommen vor der Invalidität (Valideneinkommen) mit jenem, das mit der Invalidität noch erzielt werden kann (Invalideneinkommen). So wird die prozentuale Erwerbseinbusse, die durch einen momentanen Gesundheitsschaden verursacht wird, beziffert. Je nach Invaliditätsgrad (prozentuale Erwerbseinbusse) resultiert eine Viertelrente, eine halbe Rente, eine Dreiviertelrente oder eine ganze Rente.

Der Invaliditätsgrad bestimmt, auf welche IV-Rente ein Anspruch besteht.

  • Invaliditätsgrad mindestens 40 %: Viertelrente
  • Invaliditätsgrad mindestens 50 %: halbe Rente
  • Invaliditätsgrad mindestens 60 %: Dreiviertelrente
  • Invaliditätsgrad mindestens 70 %: ganze Rente

Bei einem Invaliditätsgrad unter 40 % besteht kein Anspruch auf eine IV-Rente. Ein Rentenanspruch entsteht frühestens, wenn die versichere Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig war.

Ein Beispiel zur Illustration:
Eine Person, die nach einer Krankheit oder einem Unfall auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kann trotzdem ihren früheren Beruf (administrative Tätigkeit) wieder ausüben und auch das bisherige Einkommen wieder erzielen. Sie erleidet keine Erwerbseinbusse, sie ist nicht erwerbsunfähig. Bei einer anderen Person mit dem gleichen Leiden, die zuvor Pflegefachfrau war, liegt der Fall anders. Sie kann unmöglich ihren bisherigen Beruf weiter ausüben. Hier wird berücksichtigt, welches Einkommen die Person vor dem Gesundheitsschaden erzielt hat, und welches sie im Anschluss an Eingliederungsmassnahmen (z.B. eine Umschulung zur Sozialarbeiterin) wieder erzielen kann. Aufgrund dieses Einkommensvergleichs berechnet die IV den Invaliditätsgrad. Abhängig von der Höhe des Invaliditätsgrads besteht allenfalls ein Anrecht auf eine IV-Teilrente.

IV-Stelle

Die IV-Stellen entstanden zu Beginn der 1990er Jahre mit der 3. IVG-Revision.

Die IV-Stellen bearbeiten die ihnen unterbreiteten Fälle: Sie führen die Früherfassung durch, bestimmen und überprüfen die Massnahmen der Frühintervention, prüfen die Anspruchsberechtigung, beschliessen und begleiten Wiedereingliederungs- oder Eingliederungsmassnahmen, bestimmen Invaliditäts- und Hilflosigkeitsgrad und erlassen Verfügungen im Leistungsbereich. Es ist ebenfalls Aufgabe der IV-Stellen, die Öffentlichkeit über die Versicherungsbedingungen zu orientieren.

Die IV-Stellen sind öffentlich-rechtliche kantonale Anstalten. Für ihre Errichtung sind die Kantone zuständig, weshalb sich die Organisation der IV-Stellen von Kanton zu Kanton unterscheidet. Es gibt in jedem Kanton eine IV-Stelle, dazu eine IV-Stelle für die Versicherten im Ausland. Die IV-Stelle eines Kantons ist für die Versicherten zuständig, die in diesem Kanton wohnen.

Adressen der IV-Stellen

IV-Taggeld

Parallel zu den Eingliederungsmassnahmen kann ein Taggeld zugesprochen werden. Dieses sichert als Ersatzeinkommen den Lebensunterhalt während der Dauer der Eingliederungsmassnahme.

Kapitalhilfe

Die IV kann Kapitalhilfen gewähren, wenn eine behinderte Person aufgrund ihrer Erfahrungen und Kompetenzen in einer selbständigen Tätigkeit eine wesentlich höhere Arbeitsfähigkeit erreicht, als in einem Angestelltenverhältnis, oder wenn betriebliche Umstellungen aufgrund der Invalidität nötig werden. Die Kapitalhilfe erfolgt in der Regel in Form eines verzinslichen und rückzahlbaren Darlehens.

Leistungen der IV

Die Leistungen der Invalidenversicherung sollen 

  • mit der Früherfassung und Frühintervention und mit geeigneten, einfachen, zweckmässigen Eingliederungsmassnahmen die Invalidität verhindern, vermindern oder beheben
  • die langdauernden wirtschaftlichen Folgen der Invalidität im Rahmen einer angemessenen Deckung des Existenzbedarfes ausgleichen
  • zu einer eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Lebensführung der betroffenen Versicherten beitragen
  • Anreize für Arbeitgebende schaffen, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen


Mehr Details unter "Die Invalidenversicherung -> Leistungen der IV"
Merkblatt 4.01 - Leistungen der Invalidenversicherung (IV)

Medizinische (Eingliederungs-)Massnahmen

Die IV übernimmt bei Versicherten vor dem vollendeten 20. Altersjahr die Kosten für medizinische Massnahmen, die unmittelbar auf die berufliche Eingliederung gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit dauernd und bedeutend zu verbessern oder wesentliche Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit zu verhindern.

Bei den von der IV anerkannten Geburtsgebrechen werden auch die Kosten für die Behandlung des Leidens an sich übernommen.

Nach dem 20. Altersjahr ist die Krankenversicherung für die Übernahme von Kosten für medizinische Massnahmen zuständig.

Meldung = Früherfassung

Die Früherfassung ist eine präventive Leistung der Invalidenversicherung.

Eine Meldung zur Früherfassung zielt darauf ab, dass möglichst frühzeitig Kontakt mit der IV aufgenommen wird, wenn jemand wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung arbeitsunfähig geworden ist. Ziel ist es, dass die IV möglichst rasch beratend tätig werden kann, um den Verlust des Arbeitsplatzes zu verhindern und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten.

Wenn jemand 30 Tage ununterbrochen arbeitsunfähig ist, ohne dass die Rückkehr an die Arbeit zeitlich konkret absehbar ist oder jemand innerhalb eines Jahrs immer weder für kürzere Zeit bei der Arbeit fehlt, ist eine Früherfassung sinnvoll.

Meldeberechtigt sind:

  • die versicherte Person sowie deren gesetzliche Vertretung
  • die im gemeinsamen Haushalt lebenden Familienangehörigen
  • der Arbeitgeber
  • die behandelnden Ärzte und Chiropraktoren
  • der beteiligte Krankenversicherer
  • der beteiligte Unfall- und Krankentaggeldversicherer
  • die Einrichtungen der beruflichen Vorsorge
  • kantonale Sozial- und Arbeitsämter
  • die Militärversicherung
  • private Versicherungseinrichtungen

Die betroffene Person muss immer vorher über die Meldung informiert werden. Der Arzt kann seinen Patienten aber ohne dessen formelle Genehmigung, auch ohne dessen Einverständnis melden.

Mitwirkungspflicht

Ihr Patient ist verpflichtet, alle nötigen Auskünfte zu erteilen und an allen zumutbaren Abklärungs- und (Wieder-)Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen und somit aktiv zum Erfolg der (Wieder-)Eingliederung beizutragen. Dazu gehören auch alle medizinischen Heilbehandlungen, die den Gesundheitszustand sowie die Erwerbsfähigkeit verbessern können.

Siehe auch "Schadenminderungspflicht" oder "Selbsteingliederungspflicht"

RAD

RAD ist die Abkürzung für den Regionalen Ärztlichen Dienst.

Bei Bedarf können die IV-Stellen für weitere Abklärungen Fachkollegen vom RAD beiziehen. Die RAD stehen den IV-Stellen als ärztliches Fachorgan zur Verfügung, um die versicherungsmedizinische Sicht zu beurteilen. Sie beurteilen, ob die funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten ausreicht, um eine zumutbare Erwerbstätigkeit auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid unabhängig. Bei Bedarf können sie neben den Dossieranalysen die Versicherten auch selber untersuchen.

Rechtsgrundlagen

Im Jahr 1925 stimmte das Schweizer Stimmvolk dem Verfassungsartikel zur Schaffung einer Alters- und Invalidenversicherung zu. Die verfassungsrechtliche Grundlage in der heute geltenden Bundesverfassung ist in Art. 111 und 112 geregelt. Die schweizerische Invalidenversicherung existiert seit 1960. Ihre zentrale rechtliche Grundlage für die Umsetzung ist das Bundesgesetz über die Invalidenversicherung IVG. Bis heute wurden sechs Gesetzesrevisionen durchgeführt. Mit der 5. Revision ab 1.1.2008 wurde die berufliche Integration mit neuen Instrumenten gestärkt und erweitert. Mit der Früherfassung und der Frühintervention können die IV-Stellen rascher aktiv werden. Die 6. Revision („6a“; 1.1.2012) hat die Massnahmen zur beruflichen Integration nochmal erweitert und als neue Leistung den Assistenzbeitrag eingeführt.

Mehr Details unter "Dokumentation" / "Rechtliche Grundlagen"

Reisekosten

Die Invalidenversicherung vergütet Reisekosten, die den Versicherten wegen Abklärungs- oder Eingliederungsmassnahmen entstehen, welche die IV angeordnet hat.

Die IV übernimmt aber nur Kosten, die angemessen und notwendig sind. Sie übernimmt in der Regel die Kosten für den Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die Abklärungs- und Eingliederungsmassnahmen umfassen:

  • medizinische Massnahmen
  • Integrationsmassnahmen
  • berufliche Eingliederungen
  • Anpassung oder Reparatur von Hilfsmitteln

Merkblatt 4.05 – Vergütung der Reisekosten in der IV

Rente

Eine Invalidenrente wird nur dann ausgerichtet, wenn die Eingliederungsmassnahmen nicht oder nicht im erwünschten Ausmass erfolgreich waren. Die Höhe der IV-Rente wird durch den Invaliditätsgrad bestimmt:

  • Invaliditätsgrad mindestens 40 %: Viertelsrente
  • Invaliditätsgrad mindestens 50 %: halbe Rente
  • Invaliditätsgrad mindestens 60 %: Dreiviertelsrente
  • Invaliditätsgrad mindestens 70 %: ganze Rente.

Bei einem Invaliditätsgrad unter 40 % besteht kein Anspruch auf eine IV-Rente. Ein Rentenanspruch entsteht frühestens, wenn die versichere Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig war.

Merkblatt 4.04 - Invalidenrente der IV

Revision

Eine Rente wird revidiert, um sie der aktuellen Situation anzupassen und um Rückforderungen bei der versicherten Person zu vermeiden. Solche Revisionen werden auch im Interesse der versicherten Personen vorgenommen: Denn dabei können Leistungen auch nach oben angepasst werden. Entsprechend kann Ihr Patient auch eine Revision verlangen, wenn sich sein Gesundheitszustand deutlich verschlechtert.

Bezüger einer IV-Leistung stehen unter Meldepflicht. Jede Änderung in persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen, welche den Leistungsanspruch beeinflussen kann, ist der zuständigen IV-Stelle mitzuteilen.

Insbesondere sind Meldungen notwendig bei:

  • Adressänderungen
  • Veränderung des Gesundheitszustandes
  • Mehr als drei Monate dauernder Auslandaufenthalt
  • Geburt, Todesfall sowie Änderungen des Zivilstands und von Pflegeverhältnissen
  • Unterbrechung oder Beendigung einer Ausbildung bei über 18-jährigen Patienten
  • Änderungen in den Einkommens- und Vermögensverhältnissen, z.B. Aufnahme oder Aufgabe einer Erwerbstätigkeit
  • Untersuchungshaft, Straf- oder Massnahmenvollzug im In- und Ausland
Schadenminderungspflicht

Die Schadenminderungs- oder Selbsteingliederungspflicht bedeutet, dass die versicherte Person aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare unternehmen muss, das zur Verbesserung ihrer Erwerbsfähigkeit beiträgt, bzw. zur Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (z. B. Tätigkeit im Haushalt). Die versicherte Person ist zur Auskunftserteilung und Mitwirkung verpflichtet. Sie hat an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer (Wieder-)Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich dienen, aktiv teilzunehmen.

Siehe auch "Mitwirkungspflicht"

Schweigepflicht

Die Schweigepflicht dient dem unmittelbaren Schutz des persönlichen Lebens und der Privatsphäre einer Person. Bestimmte Berufsgruppen – z.B. Ärztinnen und Ärzte – unterliegen der Schweigepflicht.

Die Sozialversicherungsgesetze des Bundes (KVG, UVG, MVG, IVG) enthalten eine Entbindung vom Patientengeheimnis gegenüber den Versicherungen. Allerdings ist diese immer auf jene Informationen begrenzt, welche die Sozialversicherungen benötigen, um ihre Aufgaben zu erfüllen.

Ab 30 Tagen Arbeitsunfähigkeit gibt es die Möglichkeit der sogenannten Früherkennung und von Frühinterventionsmassnahmen der IV. Damit soll der Arbeitsplatzverlust verhindert werden. Zur Abklärung einer Frühintervention können sich die Versicherten selbst melden; die Meldung kann aber auch durch Dritte, etwa den Arzt, die Arbeitgeberin oder den Taggeldversicherer erfolgen – auch gegen den Willen der Versicherten.

Die Versicherten müssen schon im Hinblick auf die Frühinterventionsmassnahmen die Ärzte nicht nur ermächtigen, Auskünfte zu erteilen, sondern auch alle Unterlagen zur Verfügung zu stellen, die für die Abklärung im Rahmen der Früherfassung erforderlich sind. Diese Ermächtigung erteilen sie mit der formellen Anmeldung bei der IV.

Mehr Details: "Der Arzt zwischen Auskunftspflicht und Schweigepflicht gegenüber der IV-Stelle im Anmeldeverfahren"

Selbsteingliederungspflicht

Die Schadenminderungs- oder Selbsteingliederungspflicht bedeutet, dass die versicherte Person aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare unternehmen muss, das zur Verbesserung ihrer Erwerbsfähigkeit beiträgt, bzw. zur Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (z. B. Tätigkeit im Haushalt). Die versicherte Person ist zur Auskunftserteilung und Mitwirkung verpflichtet. Sie hat an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer (Wieder-)Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich dienen, aktiv teilzunehmen.

Siehe auch "Mitwirkungspflicht"

Taggelder der IV

Die IV richtet begleitend zu Eingliederungsmassnahmen Taggelder aus: Sie sollen den Lebensunterhalt der Versicherten und ihrer Familienangehörigen während der Eingliederung sicherstellen. In bestimmten Ausnahmefällen (z. B. keine invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse, Bezug einer Rente) gewährt die IV kein Taggeld. Anspruch auf Taggelder haben Versicherte erst, wenn sie das 18. Altersjahr vollendet haben. Der Anspruch ist unabhängig von Geschlecht und Zivilstand. Der Anspruch erlischt spätestens am Ende des Monats, in dem der Anspruch auf eine Altersrente entsteht.

Die IV kennt zwei Arten von Taggeldern:

  • das grosse Taggeld
  • das kleine Taggeld

Für die beiden Taggelder gelten unterschiedliche Voraussetzungen und Berechnungsweisen.

Ferner erhalten Nichterwerbstätige eine Entschädigung für Mehrkosten, die ihnen für die Betreuung von unterstützungsbedürftigen Personen entstehen.

Merkblatt 4.02 - Taggelder der IV

Tarife

Die Vergütung ärztlicher Berichte erfolgt gemäss Tarmed.
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Rubrik Tarife.

Umschulung

Die IV-Stellen prüfen den Anspruch auf eine Umschulung, wenn Ihr Patient wegen eines bleibenden Gesundheitsschadens seine bisherige Tätigkeit nicht mehr oder nur noch teilweise ausführen kann.

Valideneinkommen

Das in angestammter (zuletzt ausgeübter) Tätigkeit erzielte Einkommen wird als Valideneinkommen bezeichnet.

Ein Beispiel zur Illustration:
Eine Person, die nach einer Krankheit oder einem Unfall auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kann trotzdem ihren früheren Beruf (administrative Tätigkeit) wieder ausüben und auch das bisherige Einkommen wieder erzielen. Sie erleidet keine Erwerbseinbusse, sie ist nicht erwerbsunfähig. Bei einer anderen Person mit dem gleichen Leiden, die zuvor Pflegefachfrau war, liegt der Fall anders. Sie kann unmöglich ihren bisherigen Beruf weiter ausüben. Hier wird berücksichtigt, welches Einkommen die Person vor dem Gesundheitsschaden erzielt hat, und welches sie im Anschluss an Eingliederungsmassnahmen (z.B. eine Umschulung zur Sozialarbeiterin) wieder erzielen kann. Aufgrund dieses Einkommensvergleichs berechnet die IV den Invaliditätsgrad. Abhängig von der Höhe des Invaliditätsgrads besteht allenfalls ein Anrecht auf eine IV-Teilrente.

Verfahren

Für die Früherfassung können sich versicherte Personen bei der IV-Stelle des Wohnsitzkantons melden (oder von Dritten gemeldet werden). Die Meldung zur Früherfassung ist von der IV-Anmeldung zu unterscheiden. Die Früherfassung ist keine Leistung der IV, sondern ein Verfahrensschritt. Sie dient dazu festzustellen, ob Massnahmen der IV angezeigt sind. Ist dies der Fall, fordert die IV-Stelle die versicherte Person auf, das Recht auf eine Leistung der Invalidenversicherung mit dem offiziellen Formular für die IV-Anmeldung geltend zu machen. Die IV prüft nach Eingang der Anmeldung, ob die Voraussetzungen für den Anspruch auf Leistungen der IV erfüllt sind. Sie holt dazu alle Auskünfte ein, die für die Abklärungen notwendig sind. Die Abklärungen beziehen sich auf sämtliche Leistungen der IV, nicht nur auf jene, für welche die versicherte Person einen Anspruch geltend macht.

Mehr Details unter "Die Invalidenversicherung" / "Abläufe bei der IV"
Merkblatt 4.06 - Das IV-Verfahren

Verfügung

Erhebt Ihr Patient gegen den Vorbescheid der IV keine Einwände und gehen innerhalb der gesetzten Frist auch keine Stellungnahmen von den übrigen Parteien ein, erlässt die IV-Stelle die Verfügung. Äussern sich Ihr Patient oder die übrigen Parteien zu relevanten Sachverhalten, so ist die IV-Stelle gehalten, die Stellungnahmen in der Begründung des Entscheids in der Verfügung zu berücksichtigen.

Der Entscheid über Massnahmen der Frühinterventionen wird ohne Vorbescheid oder Verfügung mitgeteilt.

Versicherte Person

Alle Personen, die in der Schweiz wohnen oder in der Schweiz erwerbstätig sind, gelten grundsätzlich als obligatorisch bei der IV versichert. Diese Versicherungspflicht gilt grundsätzlich auch für Flüchtlinge und Staatenlose. Arbeitnehmende erhalten nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit einen Versicherungsnachweis, der belegt, dass sie ordnungsgemäss bei einer Ausgleichskasse angemeldet sind.

Schweizer Bürgerinnen und Bürger sowie Staatsangehörige von EU- oder EFTA-Staaten, welche die Schweiz verlassen und ausserhalb der EU- oder EFTA-Staaten wohnen, können sich unter gewissen Voraussetzungen freiwillig bei der IV versichern. Weitere Informationen zur freiwilligen Versicherung finden Sie hier.

Verweistätigkeit

Für die IV ist nicht die Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich entscheidend, sondern die Frage, ob Ihrem Patient andere berufliche Tätigkeiten (sog. Verweistätigkeiten) zugemutet werden können.

Vorbescheid

Nach Abschluss der notwendigen Abklärungen erhalten Ihr Patient und die betroffenen Versicherungsträger von der IV-Stelle einen Vorbescheid, welchen Leistungsentscheid die IV vorsieht. Ihrem Patienten und den betroffenen Versicherungsträgern wird eine Frist von 30 Tagen gesetzt, innert welcher sie sich zum geplanten Entscheid äussern können ("Einwand"). Ihr Patient kann sich bei der IV-Stelle entweder schriftlich zur Sache äussern oder mündlich im Rahmen eines persönlichen Gesprächs. Persönliche Gespräche finden in der IV-Stelle statt, die die Aussagen in einem Protokoll festhält, das sie der versicherten Person zur Unterzeichnung vorlegt. Alle anderen Parteien können nur schriftlich Stellung nehmen. Ihr Patient und die übrigen Parteien haben das Recht zur Akteneinsicht.